„Es entwickelt sich ein akademisches Proletariat, das sich finanziell nur noch knapp über Wasser halten kann“, sagt Lena Frank, nationale Jugendsekretärin der Gewerkschaft Unia, in einem Interview mit „20 Minuten“. Doch sieht die Zukunft wirklich so dramatisch aus? Laut dem Schweizer Bundesamt für Statistik (BFS) liegt das mediane Jahreseinkommen im ersten Berufsjahr mit einem abgeschlossenen Masterstudiengang bei 77'000 Franken. Nicht Akademiker verdienen im Vergleich nur 74'000 Franken im Median. Die Entwicklung zu einem „akademischem Proletariat“ scheint daher ein wenig übertrieben. Im Gegenteil: Das mediane Einkommen ist seit 2004 um rund 5'500 Franken gestiegen. Lediglich in den letzten zwei Jahren ist ein leichter Rückgang zu erkennen. Dies jedoch in einem Umfeld mit leicht sinkendem Preisniveau.

Ebenso scheint es übertrieben, dass die Studienabsolventen sich von „Praktikum zu Praktikum hangeln müssen“, wie Lena Frank gegenüber „20 Minuten“ beschreibt. Dies trifft nur auf wenige Studiengänge zu, die beispielsweise kein genaues Berufsfeld definieren. Die „Generation Praktikum“ ist in der Schweiz noch nicht angekommen, wie folgende Grafik zeigt. In 2015 waren 7 von 10 Masterabsolventen ein Jahr nach Abschluss arbeitstätig in einem 90-100% Pensum. Obwohl Teilzeitmodelle in den Medien oft diskutiert werden, entscheidet sich weiterhin die Mehrheit für eine Vollzeitstelle. Bereits 2002 waren rund 30 % der Absolventen in ihrem ersten Arbeitsjahr teilzeitbeschäftigt und auch der Anteil derjenigen, die eine Vollzeitstelle bevorzugen, hat sich in den letzten Jahren kaum verändert.

Zwar stimmt es, dass der Eintritt in den Arbeitsmarkt schwieriger geworden ist, jedoch betrifft das hauptsächlich Bachelorabsolventen. Diese kehren jedoch meist für einen Master an die Universität zurück. Gemäss BFS belegten 87% der Schweizer Studenten auch nach der Bologna-Reform einen Masterstudiengang.

Fazit: Ein Hochschulabschluss scheint immer noch der sicherste Weg zu einem überdurchschnittlichem Einkommen. Nach genauerem Hinschauen sind Schweizer Studienabgänger weiterhin weit entfernt vom "akademischen Proletariat".

Datenquelle: BFS Hochschulabsolventenbefragung

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