Home Office ist in Zeiten anschwellender Pendlerströme beliebt. Eine Umfrage von ARIS zeigt, dass zwei Drittel der Deutschen zumindest ab und an  gerne einen Home Office Tag einlegen würden. Die durch das Internet ermöglichte räumliche Unabhängigkeit wird oft und gerne genutzt. Gemäß BFS bestreiten über 20% der Schweizer Erwerbstätigen regelmäßig ein Teil des Arbeitspensums in den eigenen vier Wänden. Dieser Wert hat sich über die letzten 15 Jahre verdreifacht.

Abbildung 1; Antworten in Deutschland auf die Frage: Würden Sie gerne von zu Hause arbeiten? (Quelle: Statista)

In welchen Branchen ist Heimarbeit am verbreitetsten und welche Vor- und Nachteile bringt der Trend mit sich? In diesem Blogeintrag einige Gedanken dazu.

Wissensarbeiter bleiben zuhause

Vor allem besser qualifizierte Arbeitnehmer in der Dienstleistungsbranche - sogenannte Wissensarbeitern – arbeiten in den eigenen vier Wänden. Sprich qualifizierte Angestellte, Mitarbeiter mit Planungsaufgaben und Führungskräfte, welche oft über eine Tertiäre Ausbildung verfügen. Auch nach Branchen gibt es große Unterschiede. Während über 50% der Erwerbstätigen in der Informations- und Kommunikationsbranche regelmäßig Home Office machen, sind es – aus nachvollziehbaren Gründen – in der Gastronomie und im Baugewerbe unter 10%.

Abbildung 2: Home Office nach Wirtschaftszweig (Quelle: BFS)

Doch weitere Veränderungen stehen an. Der Journalist Jürgen Dunsch von der NZZ fordert, dass die Schweiz „ein Hotspot für Heimarbeit in Europa“ werden solle. Es biete sich in einigen Bereichen an, Arbeit zu exportieren, statt zu importieren, so Dunsch. So können auch EU-Ausländer für Schweizer Arbeitgeber tätig sein, ohne hier leben zu müssen. „Flexibilität und Vielfalt sind Trümpfe im Wettbewerb“, meint Dunsch.

Doppelbelastung durch Heimarbeit

Die Flexibilität und Freiheit nimmt zu. Doch Heimarbeit hat nicht nur Vorteile? Wissenschaftler der Schweizer Hochschule für angewandte Psychologie in Olten untersuchten die Bedingungen für Heimarbeit. Sie fanden heraus, dass 66 Prozent der Befragten häufig am Wochenende arbeiten und 37 Prozent regelmäßig von 20 bis 22 Uhr am Schreibtisch sitzen. Doch das liegt nicht daran, dass sie tagsüber faulenzen und einfach schlecht organisiert sind. Wochenendarbeiter begründeten ihre Schichten mit einem zu hohem Arbeitspensum. Eltern gaben an, dass sie erst richtig arbeiten könnten, wenn die Kinder schlafen. Heimarbeit fördert somit nicht zwingend die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es führt oft gar zu einer Doppelbelastung, die auf Dauer krank machen kann.

In der globalisierten Welt ist die internationale Zusammenarbeit ein wichtiger Faktor. Ein Sechstel der Befragten regelmäßigen Heimarbeiter sagt, dass sie häufig mit Kollegen aus anderen Zeitzonen skypen müssen, sprich nachts oder am Wochenende. Im Gegensatz zu den Arbeitnehmern, die im Büro arbeiten, kriegen sie keine Zuschläge für derartige Nacht- oder Wochenendarbeit.

Mehr arbeiten, aber weniger Anerkennung

Wissenschaftler der Universität Basel fanden heraus, dass Heimarbeiter häufig fast doppelt so viele Überstunden machen als ihre Kollegen im Büro. Abbildung 3 zeigt, dass die Anzahl Überstunden mit zusätzlicher Home Office Intensität zunimmt.

Abbildung 3: Homeoffice-Arbeit und Arbeitseinsatz (Quelle: Rupietta & Beckmann, 2016)

Trotzdem wird Heimarbeitern häufig unterstellt, dass sie zu Hause doch lieber mal mit den Kindern spielen, Kaffee trinken oder Wäschewaschen, anstatt konzentriert zu arbeiten. Die Forscher fanden heraus, dass Heimarbeiter daher versuchen, möglichst engagiert zu arbeiten, um von ihren Chefs und Kollegen anerkannt zu werden. 

Home Office -  Fluch oder Segen?

Sind regelmäßige Home Office Tage ein Fluch oder ein Segen? Wie so oft, hängt es von vielen Umständen ab. Ist die Wohnung dafür eingerichtet? Arbeiten auf sehr kleinem Raum und ohne die nötige Einrichtung kann sowohl das seelische als auch das körperliche Wohlbefinden beeinflussen. Befragte der Basler Studie geben an, dass sie bereits nach drei Tagen den Austausch mit Kollegen vermissen. Andererseits geben viele an, dass sie sich zu Hause dank absoluter Stille besser konzentrieren können und die verstärkte Autonomie die Motivation steigert.  Auch das Entfallen des Arbeitswegs und die damit verbundene Zeitersparnis ist ein Vorteil von Home Office.


Letztlich ist es individuell, welche Arbeitsform am besten passt und Branchenabhängig, ob die Möglichkeit überhaupt besteht. Für die Wissensarbeiter mit der Möglichkeit zum Home Office lohnt sich ein Abwägen der Vor- und Nachteile auf alle Fälle!


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